Tipps vom Profi: So gelingt erfolgreiches Auftreten – fast automatisch

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Im Interview mit HRblue Vorstand Heike Gorges gibt Stefan Spies, Opernregisseur, Schauspiellehrer und Deutschlands renommierter Experte für erfolgreiches Auftreten Einblick in seine Arbeit und Tipps  – nicht nur für HR Manager:

 

Herr Spies, Sie waren 15 Jahre als Theater- und Opernregisseur und 10 Jahre als Schauspieldozent tätig. 3 Jahre haben Sie als Szenischer Leiter die Schauspielausbildung der Operngesangsstudenten an der Hochschule für Musik und Theater München verantwortet. Aus dieser Erfahrung heraus haben Sie spezielle Techniken für ein erfolgreicheres Auftreten im Beruf entwickelt. Was ist das Besondere an Ihrem Ansatz?

„Der Gedanke lenkt den Körper“ heißt mein Buch und damit ist schon alles gesagt: Sobald ich eine Situation aus der richtigen Perspektive denke und vor allem konkret danach handle, folgen Körper und Stimme fast automatisch. Die Wirkung, die ein Mensch erzielen möchte ist nur der erste Schritt. Wirkung kann man nicht spielen. Entscheidend ist, dass Personen über ihre innere Einstellung zum gewünschten Auftreten kommen. Diese Einstellung kann man Lenken. Das ist mein Ansatz. Für den Betreffenden ergibt sich der sehr große Vorteil, dass sich dieser Ansatz ganz selbstverständlich anfühlt und man nicht abgelenkt ist, weil man ständig an seine Körpersprache denken muss.

 

Die meisten Führungskräfte, so auch HR Manager, haben täglich mehrfach Situationen, in denen es auf das persönliche Auftreten ankommt. Was kann man hierfür von Schauspielern lernen?

Für einen Schauspieler ist es selbstverständlich, dass sein Bühnenauftritt eine besondere Situation ist, auf die er sich vorbereitet. Innerhalb der Szene liefert er nicht nur den zuvor gelernten Text, das „was“ ab, sondern gestaltet mit dergleichen Aufmerksamkeit das „wie“ seines Auftritts. Auch bei einem HR Manager gibt es besondere Situationen, in denen er nicht irgendwie auftreten sollte. Man hat mehr Erfolg, wenn man in solchen Situationen sein Auftreten gestaltet. Gestaltung meint hierbei nicht, eine Rolle zu spielen. Gestaltung meint nur, dass ich gezielt eine Technik einsetze, die mich in genau dieser Situation unterstützt. Für unsere Inhalte gilt ja dasselbe: Ich sage ebenfalls nicht irgendwas daher, sondern überlege, welche Worte ich verwende.

 

Es ist immer wieder davon die Rede, dass Auftreten authentisch sein sollte, um zu überzeugen. Wie passt das mit dem Einsatz Ihrer Techniken zusammen? Ist das nicht ein Widerspruch?

Authentisch kommt vom griechischen authenticos, was „richtig“ und „zuverlässig“ bedeutet. Wenn Menschen mir gegenüber formulieren, sie möchten „authentisch“ bleiben, meinen sie aber nicht „zuverlässig“, sondern „wahrhaftig“, im Sinne von, „ich möchte bitte so auftreten, wie ich mich jetzt gerade fühle“. Falls ihr Beruf diese Freiheit hergibt, ist das eine wunderbare Sache. Jede Reflektion über das eigene Auftreten erübrigt sich dadurch. Diejenigen, die im Einzeltraining oder meinen Seminaren an sich arbeiten, haben diese Freiheit nicht. Sie müssen beispielsweise zu einem vorgegebenen Zeitpunkt motivieren oder überzeugen. Ob sie sich gerade danach fühlen, interessiert niemanden. Meine Techniken unterstützen Authentizität im Sinne von Zuverlässigkeit. Richtig eingesetzt, ermöglichen sie mir, meine Überzeugungen zu transportieren und zwar unabhängig davon, ob ich gerade in der passenden Stimmung bin.

 

Können Ihre Techniken auch eingesetzt werden, um Überzeugungen zu transportieren, die man gar nicht hat? Wie glaubwürdig ist in diesen Fällen die Person dann noch?

Setzt man dauerhaft Techniken entgegen der eigenen Überzeugung ein, wird man nicht nur unglaubwürdig, sondern auch unglücklich. Wenn ich mit Coachees darauf stoße, dass sie nicht überzeugen, weil sie der eigene Inhalt nicht überzeugt, arbeiten wir erst einmal an den Inhalten.

 

Ein kompetenter, fachlich überzeugender Auftritt lässt manchmal das persönlich gewinnende Element vermissen. Wie kann man beides erreichen?

Indem man sich hundertprozentig vorbereitet und sich vor einem Auftritt damit anfreundet, dass auch 90% dieser Inhalte ausreichen werden. Die hohe Konzentration des Redners auf die zu erbringenden Einhundertprozent führen häufig zu einer ernsten, steifen oder auch skeptischen Wirkung. Eine gewisse Leichtigkeit, die man durch die richtige mentale Vorbereitung erreichen kann, wirkt hingegen gewinnend. „Die Körpersprache des Erfolgs ist leicht!“ Denn wenn man etwas wirklich beherrscht, fühlt es sich ganz leicht an. Wenn man gewinnend auftreten will, ist somit das Ziel, zu dieser Frische und Leichtigkeit zu kommen.

 

Eine typische Situation im Personalbereich ist das Bewerbungsinterview. Wie gelingt ein persönlich gewinnender Auftritt als Interviewer, als Vertreter des Arbeitgebers?

Auch hier lenkt der Gedanke den Körper und das Verb führt zum Handeln: Wenn ich den Bewerber gedanklich „prüfe“ gerät mein Auftreten zu einem wertenden Hochstatus. Ich nehme Raum. Wenn ich mich für jemanden wirklich „interessiere“ im Sinne von neugierig auf eine Person sein, so wird mein Auftreten ein interessierter Tiefstatus. Ich gebe dem anderen Raum. Das ist in Summe wertschätzender und damit gewinnender.

 

Für welche Zielgruppe sind Ihre Trainings geeignet?

„Sie treffen hier keine Peergroup, sondern Menschen, so bunt wie das Leben.“ So habe ich es für meine Seminar-Broschüre formuliert. Ich bin sehr glücklich darüber, dass sich meinen Trainings, Gruppe wie Einzel für wirklich alle Menschen eignen. Ich lerne Studenten und Rentner, Assistenten und Vorstände, Wissenschaftler, U-Bootbauer, Politiker und Schiedsrichter kennen. Diese sehr unterschiedlichen Menschen mit ihren individuellen Anliegen helfen mir dabei, selbst lebendig zu bleiben.

Buchempfehlung: „Der Gedanke lenkt den Körper“ von Stefan Spies

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Quelle: HRblue AG, 2019

 

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