Personalpolitik in der Corona-Krise

 In Allgemein

Instituts für Beschäftigung und Employability (IBE), 2020, 45 Seiten, Deutsch

 

Bewertung

Die Studie zeigt Befürchtungen, aber auch Chancen für Unternehmen in und nach der Corona-Krise auf.

Untersuchte Fragestellung

Welche Folgen hat die Corona-Krise für die Personalpolitik?

Inhalte/Trends

Die Rückmeldungen zu den größten Ängsten zeigen, dass das Risiko der Insolvenz und des Personalabbaus mit Besorgnis gesehen werden. Auch langfristige Folgen, wie eine Rezession und eine Weltwirtschaftskrise werden aufgeführt. Als eher weniger bedrohlich werden im Vergleich die gesundheitlichen Folgen empfunden. Die Akzeptanz der politischen Entscheidungen und damit verbundenen Einschränkungen ist dennoch sehr hoch. Gefragt nach den Instrumenten, die als adäquat im Umgang mit der Krise erachtet werden, zeigt sich, dass die Notwendigkeit staatlicher Hilfen enorme Zustimmungswerte erhält. Von besonders hoher Relevanz sind für die Befragten die unbürokratische Antragstellung bei Hilfsmaßnahmen sowie Kurzarbeit (je 99 % Zustimmung). Von hoher Relevanz sind zudem staatliche Liquiditätshilfen (94 %), Hilfskredite (88 %), Steuererleichterungen (87 %) sowie ein neues staatliches Konjunkturprogramm (77 %). Eine Reduktion des Personalbestandes ist für nicht einmal die Hälfte der Befragten das “Mittel der Wahl” in der Krise. Je länger jedoch diese Krise andauert, umso stärker wird unweigerlich auch der Instrumentenkasten der Personalreduktion in den Fokus geraten. Von den Befragten, bei denen dies heute bereits der Fall ist (48 %), werden derzeit aus dem zur Auswahl gestellten Maßnahmenspektrum der Verkauf von Betriebsteilen, die Umgestaltung der Personalstruktur in Stamm- und Randbelegschaft sowie betriebsbe-dingte Kündigungen eher als weniger relevant angesehen. Aufhebungsverträge und Kündigungen nach der Probezeit können laut der Hälfte der Befragten infrage kommen, vorgezogener Ruhestand und Altersteilzeit laut zwei Drittel der Befragten. Die höchsten Zustimmungswerte erhalten Einstellungsstopp (82 %), Nicht-Verlängerung von befristeten Arbeitsverträgen (75 %) sowie die Nicht-Verlängerung (77 %) beziehungsweise Auflösung von Personalleasingverträgen oder von Zeitarbeit (71 %). Führungskräfte scheinen in der Corona-Krise eine wichtige Rolle zu spielen. 97 % der Befragten messen ihnen eine hohe oder sehr hohe Bedeutung zu. Die Studie zeigt weiterhin, dass viele der Befragten in dieser Krise auch Chancen sehen. Der unfreiwillige und nicht planbare Ausnahmezustand erzeugt Rückenwind für virtuelle Zusammenarbeit, mobile Arbeit, agile Organisationsformen und New Work. Zudem treibt die Krise die Digitalisierung der Prozesse im Unternehmen. Des Weiteren kann aus dem gesunkenen CO2-Ausstoß in dieser Krise gelernt werden, welche gewohnten Abläufe möglicherweise auch anders zu bewerkstelligen sind. Es wird deutlich, dass Mitarbeitenden und Führungskräfte in der Krise zusammenrücken. Dies kann langfristig zu einem neuen partnerschaftlichen Führungsstil im Sinne von New Work führen, bei dem die Führungskraft gemeinsam mit den Mitarbeitenden das Unternehmen erfolgreich gestaltet.

Geltungsbereich

Es wurden 400 Arbeitnehmer in Deutschland befragt.

Link zur Studie