Power Games: Durchsetzungsstärke ist erfolgsfördernd für HR

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Interview mit Prof. Jens Weidner, Faculty Member der Schranner AG 

Herr Prof. Weidner, ist Durchsetzungsstärke eine erfolgskritische persönliche Kompetenz des modernen HR Managers?

Erfolgskritisch? Erfolgsfördernd! Durchsetzungsstärke ist eine zentrale Handlungskompetenz in schwierigen Wettbewerbssituationen. 90% unserer beruflichen Situationen klären wir fair, kollegial und mit hanseatischem Handschlag. Hier ist Durchsetzungsstärke überflüssig und kontraproduktiv. Bleiben aber 10%, die nach Ärger riechen, Situationen mit hohem Konfliktpotential, die von Gegenspielern inszeniert werden. Und deren Leitsatz lautet: we take kindness for weakness. Bei dieser Spezies stößt die Kollegialität an Grenzen. Stattdessen sind Biss gefragt und die Fähigkeit, klare Kante zu zeigen. Grundsätzlich gilt nach meinen 1000 Interviews mit Führungskräften, die ich am Schranner Negotiation und am Gottlieb Duttweiler Institute in Zürich geführt habe, folgendes ideales Persönlichkeitsprofil: seien Sie zu 80% ein feiner Mensch: teamorientiert, ökologisch und gewerkschaftsfreundlich, aber ergänzen Sie das um 20% Durchsetzungsstärke, strategisches Gespür und Einstecker Qualität.

Lässt sich die erforderliche Durchsetzungsstärke durch organisatorische Maßnahmen oder Strukturen im HR Bereich verankern oder unterstützen?

Durchsetzungsstarke überprüfen ihr berufliches Standing und das Standing ihrer Projekte regelmäßig durch folgende Fragen:

  • von wo oder von wem droht zukünftig potentieller Ärger?
  • Wer weiß Dinge, die einem selbst oder dem Projekt schaden können?
  • Welche neuen Entwicklungen beinhalten Gefahren für das Unternehmen oder für einen selbst?

Als organisatorische Maßnahme empfiehlt sich das Premortem-Verfahren: wenn eine wichtige Entscheidung getroffen ist, trommeln Sie noch einmal die wichtigsten Beteiligten zusammen und fordern sie zu folgendem Gedankenspiel auf: ‚Wir haben den Plan umgesetzt, das ist jetzt ein Jahr her. Das Ergebnis ist ein Desaster. Schreiben Sie in 10 Minuten auf, wie es dazu kommen konnte‘. Gefahr erkannt, Gefahr gebannt!

In Ihren Veröffentlichungen behandeln Sie unter anderem das Phänomen der „Power Games“ in Unternehmen. Haben Sie eine Empfehlung für HR Manager wie damit am besten umzugehen ist, wenn vereinbarte HR Ziele oder Maßnahmen davon betroffen sind?

Ich empfehle die Peperoni-Strategie – mit den Worten der Financial Times – eine Einweisung in die Kunst der positiven Aggression. Diese Strategie ermutigt im Berufsleben

  • sich besser durchzusetzen,
  • sich nicht übervorteilen zu lassen,
  • den eigenen Standpunkt zielführender einzubringen.

Denn Fakt ist: wer positiven Biss aus ethischen Gründen ablehnt, wird Schwierigkeiten haben, sich im Wettbewerb zu positionieren. Dabei empfehle ich keinen ethisch zweifelhaften Ellenbogenkampf, sondern sich durchzusetzen, um Gutes zu tun: 1. für sich selbst (durch mehr persönlichen Erfolg), 2. für das Unternehmen (das durch Ihre guten Ideen expandiert) und 3. für die Gesellschaft (die durch vermehrte Gewinne mehr Steuern generiert). Eine herrliche Trias! Seien Sie ehrlich: gibt es etwas Schöneres?

 

Prof. Jens Weidner lehrt Kriminologie und Sozialisationstheorie an der Fakultät für Wirtschaft und Soziales der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg,  Autor des Wirtschafts-Bestsellers „Die Peperoni-Strategie“.

Das Interview führte: Heike Gorges, HRblue AG, 2018

Quelle: HRblue AG, 2018