Sind Narzissten die erfolgreicheren Bewerber?

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Diese und weitere Fragen und Antworten zum Dauerbrenner-Thema “Narzissmus und Erfolg”  in Unternehmen. Expertin und Buchautorin Dr. Bärbel Wardetzki im Gespräch mit  HRblue Vorstand Heike Gorges.

 

Frau Dr. Wardetzki, Sie sind erfolgreiche Buchautorin und beschäftigen sich seit mehr als zwei Jahrzehnten intensiv mit dem Phänomen Narzissmus. Warum ist das Thema so zeitlos und immer wieder interessant?

Narzissmus ist der Versuch, das Selbstwertgefühl vor dem Zerfall zu bewahren. Die Suche nach Bestätigung und Macht stärken das verletzte Selbst. Narzissmus passt gut in die heutige Zeit, da er in unserer Gesellschaft mit Erfolg, Karriere und Reichtum assoziiert wird, die alle einen hohen Wert darstellen. Deshalb sind auch viele narzisstisch strukturierte Menschen in Führungspositionen zu finden.

Sie besitzen die Fähigkeit, sich ins beste Licht zu setzen, Macht und Aufmerksamkeit zu erringen und bedeutungsvoll aufzutreten.  Auch geben sie sich nicht mit dem Erreichten zufrieden, sondern entwerfen immer wieder neue Visionen. Ihre Eloquenz und ihre  Grandiosität bescheren ihnen eine große Anhängerschaft und eine Schar  von Bewunderern.

 

Wie viel Narzissmus benötigt ein Unternehmen, um erfolgreich zu sein?

Die narzisstischen Ideale sind  förderlich, um ein Unternehmen voranzubringen.  Es besteht jedoch die Gefahr, dass die positiven Eigenschaften sich ins Gegenteil verkehren. Charisma führt leicht zur Menschenfängerei, Eloquenz zur Rechthaberei, das Streben nach Höherem zur grandiosen Rücksichtslosigkeit und der Mut fürs Risiko zum Harakiri und zur übersteigerten Risikobereitschaft. Auch neigen narzisstische Führungspersonen dazu, sich mit Ja-Sagern zu umgeben, die zu spät auf Fehlentwicklungen reagieren, weil sie zu viel abnicken.

 

Sie haben unter anderem ein Buch über „Blender im Job“ geschrieben. Woran kann man diese erkennen?

Menschen blenden mit ihrem Charisma, mit einem verführerischen Strahlen und machen Versprechen, die sie aber nie einhalten. Sie vermitteln dem anderen Wichtigkeit und Bedeutung und erfüllen damit dessen Bedürfnisse nach Anerkennung und Beachtung. Blender sind Menschen, die anderen etwas vorspielen und die Wahrheit verbergen. Es sind entweder Lügner, die Falsches behaupten oder die Dinge schöner, größer und erfolgversprechender darstellen als sie sind. Ihre Überzeugungskraft ist so groß und ihr eigener Glaube an sich und ihren Erfolg so stark, dass sie selbst und ihre Mitmenschen darauf reinfallen. Hier zeigt sich der Unterschied zwischen Könnern und Blendern. Der Könner setzt seine Kompetenz dafür ein, ein gutes Ergebnis zu erreichen. Der Blender hingegen setzt sich ein Denkmal, unabhängig davon, ob es im Sinne der anderen ist.

 

Sind Narzissten die erfolgreicheren Bewerber?

In der Regel ja, eben weil sie mit ihrem Auftreten die anderen in ihren Bann ziehen und vermitteln, die beste Besetzung für die Stelle zu sein. Das schaffen sie auch dann, wenn ihre Erfahrung oder Kompetenz nicht ausreicht. Narzisstische Menschen neigen dazu, sich zu große Schuhe anzuziehen und sich dadurch häufig zu überfordern. In Assessments für Führungspositionen brillieren sie durch ihre Stressresistenz, Durchsetzungsfähigkeit, ihren Mut und Belastbarkeit. Ihre Eloquenz und ihr selbstsicheres Auftreten blenden die Menschen, und  verbergen die negativen Eigenschaften: geringe Teamfähigkeit, Empathie und Rücksichtnahme, wenig Integrations- und Dialogfähigkeit dafür ein ausgeprägtes Konkurrenzverhalten und extreme Leistungsorientierung. Der Druck, unter den sie Mitarbeiter setzen, ihre Rücksichtslosigkeit und ihr Egozentrismus treten bei der Bewerbung hinter  der einnehmenden Art in den Hintergrund.

 

Und auf der anderen Seite des Tisches: Sind Narzissten die besseren Recruiter?

Zum guten Recruiting gehört eine gute Vernetzung, Einfallsreichtum, eine profunde Einschätzung der Fähigkeiten des anderen und die Überzeugung, die richtigen Personen ausgewählt zu haben. Es gehört also eine große Portion Selbstbewusstsein dazu und das entsprechende Auftreten. Das haben Narzissten oft in großem Maße, auch wenn sie hinter der grandiosen Fassade Selbstzweifel und Unsicherheiten verbergen. Auch die Macht, die ihnen ihre verantwortungsvolle Position verleiht und als Repräsentant einer renommierten Firma aufzutreten, machen diesen Job anziehend. Ihre Auswahl treffen sie nach klaren Fakten und weniger nach emotionalen Einschätzungen, da  Einfühlung nicht unbedingt ihre Stärke ist.

 

Wie kann man sich seiner eigenen narzisstischen Seiten bewusst werden und diese positiv nutzen?

Stolz und Freude über die eigenen Erfolge und eine gute Präsentation unserer Kenntnisse sind Dinge, die wir leben und zeigen sollten. Sie betreffen die positive Seite des Narzissmus und sind Ausdruck eines guten Selbstwertgefühls und einer spürbaren Selbstwirksamkeit. Wir sind davon überzeugt, dass unser Einsatz zu einem guten Ergebnis führt und können uns für das gelungene Resultat loben, müssen uns deshalb aber nicht über die anderen erheben.

 

Weitere Informationen zu Dr. Bärbel Wardetzki und ihren Publikationen

Quelle: HRblue AG, 2019

 

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