Digital Candidate Journey 2019/2020

 In Allgemein

Persoblogger, Universität Bayreuth, 55 Seiten, 2019
Deutsch

Bewertung

Die Studie liefert ein repräsentatives Bild der Zielgruppe „studentische Talente“ und enthält Handlungsempfehlungen für Personaler zum rekrutieren dieser Zielgruppe.

Untersuchte Fragestellung

Wie digital wollen „studentische Talente“ wirklich rekrutiert werden?

Inhalte/Trends

Studierende trennen Berufliches und Privates auch online. Sind sie auf den Businessplattformen XING oder LinkedIn aktiv, wollen dort auch 92 % der LinkedIn- und 84 % der XING-Nutzer von Unternehmen auf Jobs angesprochen werden. Auf Facebook befürworten Studierende eine Ansprache nur zu knapp 30 %, auf Instagram sind es etwas über 24 %. Eine Ansprache über SnapChat hingegen bevorzugen nicht einmal 2 %. Die Ergebnisse der Studie zeigen große Skepsis der Studierenden bei der Ansprache durch digitale Medien. So schneidet der Einsatz eines Chatbots in der Recruiting-Kommunikation auf einer Skala von 1 (=gefällt mir überhaupt nicht) bis 7 (=gefällt mir besonders) mit 2,43 weit abgeschlagen ab. Kommt eine menschliche Komponente in der Kommunikation hinzu, wie beim Chat mit Personalern (3,73) oder beim Live Video-Interview via Skype, so erhöhen sich die Werte auf der gleichen Skala bereits deutlich auf immerhin 4,30. In einer zunehmend digitalen Welt mit oftmals lediglich virtuellen Begegnungen zu Beginn der Candidate Journey spielt Vertrauen eine herausragende Rolle. Dies gilt vor allem für den Datenschutz, was die Herausgabe von Kontaktdaten über digitale Formulare betrifft. Aber selbst die Motivation, überhaupt Daten an potentielle Arbeitgeber weiterzugeben, lässt sich vor allem über den Faktor menschliche Sympathie beeinflussen. So nennt ein Drittel der Befragten als Top-Grund für die Datenüberlassung Sympathie für die Unternehmensvertreter. Dies entspricht auf der genannten Skala von 1 bis 7 einem Zustimmungswert von 5,13. Der Einsatz von Werbegeschenken hingegen erreicht nur einen Wert von 2,5. Das Veranstalten von Gewinnspielen kommt zwar auf einen Wert von 2,93, liegt aber dennoch weit hinter dem Faktor menschlicher Sympathie. Geht es um die Auswahl konkreter Arbeitgeber, legen 58,55 % der Studierenden Wert auf den Ruf des Unternehmens bei Freunden. Rund zwei Drittel holen die Meinung ihrer Freunde bei der Entscheidung sogar aktiv ein. Darüber hinaus informieren sich 44 % bei der Jobsuche auf Arbeitgeberbewertungsplattformen wie kununu und glassdoor. Insbesondere sehr persönliche und konkrete Stellungnahmen zu eingehenden Bewertungen bieten große Chancen, um als offener und auch kritikfähiger Arbeitgeber wahrgenommen zu werden. Auch oder gerade in Zeiten zunehmender Virtualisierung bleibt der menschliche Kontakt zwischen Unternehmensvertretern und Interessenten sowie angehenden Bewerbern immens wichtig für erfolgreiche Personalgewinnung. Letztlich dienen die modernen Möglichkeiten digitaler Kommunikation lediglich der Anbahnung einer klassischen Kommunikation von Mensch zu Mensch. Mit Blick auf die Kernfrage der Studie, wie digital Studierende tatsächlich von Unternehmen angesprochen werden wollen, lautet die Antwort: Digital ja, aber mit Bedacht und möglichst individuell mit viel menschlichen Komponenten.

Geltungsbereich

Online-Befragung von 574 Studierenden.

Link zur Studie