Aus HR-Sicht: Wie begegnet man Aggressivität im Unternehmen?

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Im Interview mit HRblue Vorstand Heike Gorges:
Jutta Schuster, Leitung Human Resources bei UniCredit Services S.C.p.A. Branch Germany, besuchte Ende 2018 das Seminar „Aggressivität“ mit Prof. Dr. Jens Weidner beim Schranner Negotiation Institute.
Im Gespräch berichtet sie von ihren Eindrücken und Erkenntnissen für die HR Arbeit in Unternehmen.


Frau Schuster, worum ging es genau beim Thema Aggressivität?

Anders, als der Titel des Seminars vielleicht vermuten lässt ging es nicht nur um den direkten Umgang mit aggressiven Personen, sondern auch grundsätzlich um geeignete Strategien zum Um- oder Durchsetzen in komplexen Organisationen und Unternehmensstrukturen. Der Referent Herr Prof. Weidner setzt außerdem an einigen Stellen einen bewusst provokanten Vortragsstil ein, um die Teilnehmer aus ihrer Komfortzone zu bewegen. Das ist eher nichts für Zartbesaitete. Wer interessiert ist, aktiv mit verschiedenen Formen von Aggression im Berufsleben umzugehen, der profitiert meiner Ansicht nach am meisten von dem Seminar. Man sollte das Thema sportlich sehen.


Gab es konkrete Learnings für HR im Unternehmen?

Es gab einige Ansätze, von denen der HR Manager profitieren kann. Einmal ist es die Strategie, sich über ein gutes Netzwerk auf allen Hierarchie-Ebenen gegen Angriffe und Anfeindungen abzusichern sowie sich Unterstützung bei der Umsetzung eigener Themen zu sichern. Auf dieser Basis kann man gelassener und positiver mit Aggression umgehen, als sich alleine behaupten zu müssen. Wichtig ist, dass dieses Netzwerk  das entsprechende Gewicht im Unternehmen hat.

Gute Tipps gab es auch für „geschmeidige Lösungen“ gegen unfaire Angriffe, z.B. sich Reaktionszeit zu verschaffen, weiterhin freundlich zu bleiben oder z.B. auch als Frau mal spontan entwaffnend zu sein.

Interessant war auch die Frage, inwieweit eigentlich unsere immer komplexeren Organisationsstrukturen in großen Firmen aggressives Verhalten ungewollt fördern. Rollenkonflikte austragen, Einfluss nehmen wollen, persönlich Weiterkommen, Aufmerksamkeit und Wertschätzung erhalten sind in diesen Strukturen oft gar nicht so einfach möglich. Ein aggressives Verhalten gegenüber internen „Konkurrenten“ kann sich da durchaus als Erfolgsstrategie herausstellen. Aggression ist ja nicht per se als negativ anzusehen. Positiv eingesetzt hilft sie, sich und andere zu bewegen.

Bei der Auswahl von Führungskräften ist noch besonders wichtig, darauf zu achten, dass diese empathisch sind, als Vorbild agieren und ein Zusammenarbeitsmodell pflegen, in dem alle Mitarbeiter ihren Beitrag zum Gesamtergebnis im Rahmen ihrer Fähigkeiten leisten können, ohne wegen möglicherweise geringerer Durchsetzungsfähigkeit bei den „Stärkeren“ unter die Räder zu kommen.


Gibt es die Inhalte irgendwo zum Selbststudium?

Herr Prof. Weidner hat sein eigenes Buch „Die Peperoni-Strategie“ sowie „Mit positiver Aggression zum Erfolg“ von Hedwig Kellner empfohlen.


An wen würden Sie das Seminar weiterempfehlen?

Das Seminar ist für Menschen empfehlenswert, die in einem komplexen, beruflichen Umfeld arbeiten, bei dem man sich oftmals nur mit „positiver Aggression“ durchsetzen kann. Im Ein-Tages-Seminar bekommt man Hinweise, sich selbst besser einzuschätzen. Weiterhin bekommt man einen Überblick, nach welchen Strategien die „anderen“ möglicherweise agieren und es wird vermittelt, welche Methoden es grundsätzlich gibt, damit umzugehen. Aufgrund der Vielzahl der Themen, Situationen und der Individualität kann nur ein Überblick verschafft werden. Für Übungen und Feedback ist eher weniger Zeit.

 

Autor:  Heike Gorges, HRblue AG, 2019

Link zum Seminarangebot bei Schranner Negotiation Institute

Quelle: HRblue AG, 2019